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  Die bahnbrechende Erkenntnis, dass auch eine kaputte Uhr zweimal täglich die richtige Zeit anzeigt, führt bei der Beschilderung des öffentlichen Raums zu ungeahnten Folgen. Längst haben wir uns daran gewöhnt, dass uns auch im Hochsommer mitgeteilt wird, der Winterdienst in einer Gemeinde sei eingeschränkt. Gut, das zu wissen, auch wenn der Nutzen sich dem überhitzten Hirn eventuell nicht leicht erschließt.

Noch besser ist freilich das Schild am Tor des Laudenbacher Friedhofs, das ganzjährig mitteilt, der Friedhof sei „wegen Eis- oder Schneeglätte heute geschlossen“. Heute? Im Sommer? – Aber nein, man muss halt warten, bis es vielleicht mal wieder Eis- und/oder Schneeglätte gibt. An solchen Tagen, sofern dann das Tor abgeschlossen ist, stimmt auch das Schild!

   

 

Kaum habe ich meinen billigen Spott über die Laudenbacher Friedhofsverwaltung ausgeschüttet, erfreuen mich deren Mannheimer Kollegen mit dem Verbot, eine bei 20 Grad Celsius natürlich nicht vorhandene Eisfläche zu betreten.

 

 

 

Dabei hatten die Mannheimer mal ein ganz witziges Schild auf dem Friedhof, das inzwischen natürlich verschwunden ist.
Witzig
und Friedhof geht wohl nicht zusammen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es war einmal eine Zeit, da trug noch nicht jede und jeder ein Telefon griffbereit mit sich herum, und wenn man von unterwegs irgendwen anrufen wollte (oder auch: wenn man überhaupt kein Telefon in der Wohnung hatte, auch das gab es dereinst), dann nutzte man dazu das, was die zu dieser Zeit noch zuständige Deutsche Bundespost einen öffentlichen Fernsprecher nannte. Dieses in alter Zeit stets rabenschwarze Gerät hing in der Regel in einem kleinen, postgelben Häuschen, das Telefonzelle genannt wurde. War man in unvertrauter Gegend unterwegs, half einem die auffällige Farbe zuverlässig, auch von fern eine Telefonzelle zu erkennen. Nicht zuletzt für Notrufe war das eine nicht nur praktische, sondern auch ganz nützliche Sache.

Irgendwann wurde dann die Deutsche Bundespost zerlegt. Für das Telefonieren war nun die Deutsche Telekom AG zuständig, deren Management dem Laden eiligst ein neues Corporate Design verpasste, weil man das laut Bwl-Kochbuch halt so macht. Die Telefonzellen wurden nun grau mit einem rötlichen Streifen, dessen unschöne Farbe magenta heißt. Weil nach und nach immer mehr Leute ein Mobiltelefon nutzten und immer weniger auf Telefonzellen angewiesen waren, reduzierte man die Zahl dieser Häuschen erheblich. Manche wurden durch Telefonsäulen ersetzt; die kosten weniger und es gibt nicht so viel daran kaputtzumachen.

Der jüngste Schritt der Entwicklung besteht nun darin, die verbliebenen Telefonzellen gut im Stadtraum zu verstecken.  Bei diesem Beispiel aus Mannheim ist es ziemlich perfekt gelungen. Die Telefonzelle ist in einer Ecke des dahinterstehenden Gebäudes vor Blicken recht gut geschützt, zudem sorgt die Tarnfarbe großstadtgrau dafür, dass selbst bei gutem und unverstelltem Blick das Häuschen kaum auffällt.

Was steckt dahinter? Vermutlich Rücksichtnahme auf die Nutzer. Wer eine Telefonzelle benutzt lässt damit erkennen, dass er kein Mobiltelefon hat – oder nur ein Prepaid-Handy mit leerem Konto. Das ist peinlich. Die Manager der Deutsche Telekom AG, ob solcher Situationen vom Fremdschämen gebeutelt, sorgen nun also dafür, dass der Kunde bei dem peinlichen Vorgang einen Blickschutz bekommt, der annähernd den Standard öffentlicher Bedürfnisanstalten erreicht. Alles im Dienste am Kunden. Die Jungs sind ihr Geld wert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dass manche Richter ihre Urteilsfähigkeit nicht weniger falsch einschätzen als die von ihnen zu richtenden Angeklagten die ihre, wissen spätestens seit dem Fall Gustl Mollath alle Zeitungsleser. Tiefere Einblicke in richterliche Denk- und Beurteilungsprozesse erhält man aus den einschlägigen Fachpublikationen (den juristischen, nicht den psychiatrischen). Da zeigt sich die aus langjähriger richterlicher Tätigkeit erwachsene Sicherheit im höchst eigenen Weltverständnis, um die man diese Herren (und Damen) fast beneiden könnte, hätte sie nicht gelegentlich so sehr die Anmutung eines Bretts vorm Kopf. Zum Beispiel:

Der Gesetzgeber hat 2013 die rechtlichen Voraussetzungen für die ärztliche Zwangsbehandlung von Untergebrachten geändert (also von Menschen, die per Gerichtsbeschluss gegen ihren Willen in einer psychiatrische Klinik, nicht zu verwechseln mit forensischer Psychiatrie, behandelt werden, um Gefährdungen für sie selbst oder andere auszuschließen). Eine Behandlung gegen den Willen des Patienten setzt nun mehrere Schritte voraus, darunter ein ärztliches Gutachten, das nicht vom behandelnden Arzt selbst stammt, und die Bestellung eines Verfahrenspflegers.

Auch muss versucht worden sein, den Patienten von der Notwendigkeit der Therapie zu überzeugen, und zwar 1) ernsthaft (nicht pro forma), 2) mit ausreichendem Zeitaufwand, 3) ohne unzulässigen Druck, und 4) durch eine überzeugungsfähige Person. Ganz schön aufwendig sowas. Kein kurzer Prozess, schon gar nicht nach Aktenlage. In einer hoch renommierten juristischen Fachzeitschrift nörgelt deshalb ein pensionierter Richter mit Professorentitel: „Der ‚Überzeugungsversuch‘ als Voraussetzung kam auf Empfehlung des Rechtsausschusses in den Gesetzestext; er enthält daher die typischen Formulierungen der politischen Sprache.“ Sowas aber auch, dass diese Parlamentarier sich in ihre eigene Arbeit als Gesetzgeber einmischen und dies nicht mal durch dazu geeignete Phrasen tarnen. Aber nicht nur die „politische“ Sprache missfällt dem Herrn Richter. „Die Zustimmung des Betreuten müsse auf Vertrauen gegründet sein; ‚Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser‘ sagt aber eine alte Weisheit.“  Ist das nicht schön? Ich dachte immer, das sei keine alte Weisheit sondern ein zynischer Spruch von Lenin, mit dem er die Unterdrückung individueller Freiheit durch seinen autoritären Apparat rechtfertigen wollte. Aber ich dachte andererseits auch, dass wir Richter haben, um Gesetzestexte auszulegen und auf Einzelfälle anzuwenden; andernfalls bräuchte es doch wohl kein juristisches Prädikatsexamen sondern nur eine dreimonatige Anlernphase und ein passendes Computerprogramm, um Urteile zu fällen.

In einer Stellenanzeige in der gleichen Zeitschrift wird als Voraussetzung zur Einstellung als höherer Polizeibeamter „der Eintritt für die freiheitliche demokratische Grundordnung“ gefordert. Gelegentlich kommt einem diese Grundordnung schon ziemlich eingetreten vor; nicht nur von Polizisten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dass im Supermarkt fast alle Preise auf eine 9 enden (und an der Tankstelle sogar an der dritten Dezimalstelle) hat ja angeblich den Sinn, uns dämliche Verbraucher zu täuschen. Sehen wir doch bei der Preisangabe 7,99 natürlich nur auf die 7 vorn und übersehen in unserer Blödheit, dass diese Ware fast genau 8 Euro kostet. Dieser Unfug ist lästig, weil er einem bei Barzahlung immer unnötige Mengen von 1-, 2- und 5-Cent-Münzen als Wechselgeld einbringt. Aber schön, irgendwie hat man sich an den Quatsch gewöhnt.

Dass aber der Schwachsinn um sich greift und inzwischen etliche Verlage die Buchpreise auf 99 Cent enden lassen, ist ein Ärgernis für die Buchkäufer ebenso wie die Buchhändler. Offenbar geht zumindest der Heyne-Verlag auch davon aus, dass die Deutschen so viel dämlicher sind als die Österreicher, weshalb man für Deutschland 16,99 Euro als Preis festsetzt, in Österreich aber 17,50 (und nicht etwa 17,49) Euro.

 

 

Vielleicht zeigt das aber auch unsere Weltoffenheit. Ich weiß nicht, wer mit dem Stuss angefangen hat, aber leider sind zumindest die Briten von der gleichen Idiotie heimgesucht:

 

 

 

Wie war das eigentlich in Großbritannien vor der Umstellung der Währung aufs Dezimalsystem? Hat darüber schon jemand eine Untersuchung geschrieben, oder kann ich mir, sofern ich die Rente erreiche, da wissenschaftliche Meriten erwerben?

 

 

 

Es ist über zwanzig Jahre her, ich wohnte damals im Frankfurter Nordend, da hatte ich ein Gespräch mit einem Straßenkehrer von den Frankfurter Entsorgungsbetrieben. Der erzählte, dass die Betriebsleitung immer mehr Personal abbaute und zusätzliche Kehrmaschinen einkaufte, weil die Dinger auf dem Papier so viel effizienter wären als Besen. Er fragte sich aber, ob von der Geschäftsleitung schon mal jemand versucht habe, mit so einer Kehrmaschine in Ecken oder zwischen geparkten Autos den Dreck wegzumachen. Das sei nämlich unmöglich. Der Mann wusste, wovon er sprach.

 

Nun kann man das Offensichtliche natürlich auch ignorieren, sich selbst als Depp erweisen und mit einer Maschine, die nicht viel leiser ist als ein startender Eurofighter, wiederholt erfolglos versuchen, aus Ecken und Winkeln Laub zu saugen. Die Belärmung der Nachbarschaft geschieht dabei eindeutig mit größerem Erfolg als die Reinigung des Pflasters und man sollte vielleicht den betroffenen Nachbarn auch ein paar kleidsame Ohrschützer offerieren, wie sie der eifrige Hausmeister trägt. Noch besser wäre natürlich, die Beseitigung des Laubs nicht nur mit Maschine sondern auch mit Verstand anzugehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie geht man damit um, wenn ein Schwerkranker sich die Auswirkungen seines körperlichen und/oder geistigen Verfalls schönredet? Man wird unsicher, weil man nicht weiß, ob hier ein im Interesse des Patienten vielleicht wünschenswerter Realitätsverlust Ausdruck finden, der vor Verzweiflung schützt – oder ob die Verzweiflung längst da ist und sich in Zynismus äußert.

Noch schwieriger wird die Sache, wenn eine Mehrzahl von Personen die unklare Symptomatik zeigt. In Alsfeld befindet sich nahe dem Stadtzentrum eine hässliche, triste Brache. Dort wird per Schild das behauptet, was nach dem Augenschein offensichtlich nicht der Fall ist, nämlich dass die Stadt blüht.

 

Wenn man die Geschichte dieser Brache kennt, auf der einmal das Hotel Deutsches Haus stand, nach dessen Schließung das Gebäude von einem Möbelhaus genutzt wurde, um schließlich viele Jahre leer zu stehen, bis es irgendwann abgerissen wurde. Wenn ganz offensichtlich ist, dass trotz der zentralen Lage sich einfach niemand findet, der dort bauen will. Wenn man auf der anderen Straßenseite eine noch viel größere Brache sieht, wo früher mal unter anderem das schöne, klassizistische Gebäude der Casinogesellschaft stand. Wenn man weiß, dass diese gelungene Anlage einst plattgemacht wurde für eine Betonschachtel von Kaufhaus, die inzwischen auch abgerissen wurde, ohne dass irgendwer dort bauen möchte… Also irgendwie scheint das für mich nicht unbedingt nach Blüte auszusehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Den Zeitungsverlagen geht es schlecht. Da kann man als Verlagsmanager schon mal auf die Idee kommen, außer Zeitungen noch was anderes zu verkaufen, beispielsweise Expertenwissen in Vortragsform. Der Süddeutsche Verlag hat für solche Dinge eine eigene Tochtergesellschaft, die Süddeutscher Verlag Veranstaltungen GmbH, und diese bietet in der Süddeutschen Zeitung ein „Wissensforum 2015“ an.

Die neun Referentinnen und Referenten der acht Veranstaltungen werden in der Anzeige nicht nur mit Bildchen, sondern auch unter Angabe ihres Berufs bzw. ihrer Tätigkeit vorgestellt. Einer ist „Diplom-Psychologe, Verhaltenstherapeut“, worunter man sich recht Konkretes vorstellen kann. Zwei sind „Zeitexperten und –forscher“, was die Phantasie schon stärker anregt. Eine ist „Professorin für Leadership“. Schon toll, was es heutzutage an Hochschulen so alles hat. Dann hat es einen „Ermutiger, Überlebensberater“. Hm. Aber der Star des Programms ist eine „Business-Querdenkerin, Unternehmerin, Bestsellerautorin“. Für schlappe 69,90 Euro kann man sich bei ihr eine „Anstiftung zum Querdenken“ angedeihen lassen.

Angesichts all der modischen Querdenkerei ist es ja nun wirklich kein Wunder, dass die Problemlösungskompetenz unserer tatsächlichen oder selbsternannten Eliten nicht ausreicht. Da würde ich gern zum Geradeausdenken anstiften. Ich käme dazu auch nach München. Und über das Honorar ließe sich reden.

 

Mit Alkohol muss man vorsichtig sein. Was einem leichter fallen würde, wenn das Zeug nicht Bestandteil wohlschmeckender Getränke wäre, wie beispielsweise dieses halbtrockenen Chardonnays aus Italien, der einem auch noch durch Bio-Siegel (wenn auch nur dem der EU) ein ökologisch gutes Gewissen mitliefert. Was mir zu denken gibt (wieder mal ergebnislos…) ist die Bezeichnung „vegan“. Gibt es denn auch nicht-veganen Wein? Etwa durch Ochsenblut gefärbten Rotwein? --- So stellt einen das Etikett der Weinflasche vor Fragen, die man schon in nüchternem Zustand schwer beantworten könnte, und treibt einen ob des frustrationsbedingten Alkoholkonsums gradewegs wieder zum Weinregal. Ganz schön raffiniert!

 

 „Auf dem Hof des Landschulheims Ising am Chiemsee steht unkommentiert ein drei Meter hohes, 1939 geschaffenes Bronzepferd des NS-Bildhauers Josef Thorak. Dies hatte die SZ am 7. August berichtet“, schreibt selbige SZ am 24. August 2015 und schließt allerlei Zitate von überwiegend alarmierten Experten für das Gute und gegen das Böse an. Einzig der Soziologe Wolfgang Sofsky ist da ob des hässlichen Gauls nicht gleich dem Wahn verfallen und befindet, dessen „ästhetischer Wert sei ebenso gering wie sein moralischer Unwert“. Ist es nicht unglaublich lächerlich, dass da einer unbedeutenden Bronzeplastik, die offenbar jahrzehntelang keinem besonders aufgefallen ist, plötzlich eine Gefährlichkeit zugeschrieben wird, die unter Einsatz aller gängigen verfassungsschützenden Exorzismen gebannt werden muss? Wie blöde darf man sich denn inzwischen aufführen, wenn es um die materiellen Überbleibsel des NS-Staats und seiner Unkultur geht?

 

 

 

 

 

 

Alles wird immer schöner. Auch die Parkbänke. Im Mannheimer Strandbad hat man solche wunderbaren Skulpturen aufgestellt, die zugleich Bank, Wegbeleuchtung und Kunstwerk sind. Zumindest für die Funktion als Sitzmöbel sind schon erfreulichere Lösungen gefunden worden, zum Beispiel mit dem klassischen Modell, von dem man einige verdreckte Exemplare abseits des Wegs stehen gelassen hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weil alle (??) das noch schönere Strandbad sauber halten, bedankt sich die Stadt Mannheim dafür mit großen Schildern. Und weil man merken soll, dass man es mit einer Behörde zu tun hat, benutzt man dafür das schöne Wort „Sauberhaltung“. Das ist doch mal was zur Erfreuung am Ende der Grünanlagenbenutzung.